Dienstag, 27. Februar 2018

Fremd? Fremd!

Das Thema lag und liegt in der Luft. Fremd? heißt es. Durchaus mit Fragezeichen. Im regulären Kunstunterricht haben sich drei Klassen der Rudolf Steiner Schule Dahlem mit diesem hochemotionalen Thema auseinandergesetzt. Wohl jede Schülerin und jeder Schüler hat dieses Gefühl schon einmal erlebt, fremd zu sein, sich fremd zu fühlen, Fremden zu begegnen. Ihre Plastiken, Ergebnisse dieser künstlerischen Auseinandersetzung, sind in einem Raum des Kunsthauses Dahlem ausgestellt.

Ausstellungsansicht im Kunsthaus Dahlem, Foto: Horst Schwartz, 2018
Es ist die dritte Schülerausstellung des noch jungen Museums, jede in Kooperation mit der benachbarten  Rudolf Steiner Schule und der Kunstlehrerin Gisela Dumas. „In den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler aus der zehnten Klasse erfolgte eine sowohl figürliche als auch abstrakte Auseinandersetzung mit der Thematik,“ erklärt sie. Die elfte Klasse erarbeitete ein abstraktes Relief. Dabei seien zunächst „biomorphe und kristalline Formen entwickelt“ worden, sagt Gisela Dumas. In einem Faltblatt zur Ausstellung heißt es dazu: Dabei handelt es sich um die einander fremdesten Formensprachen der Bildhauerei. In einem weiteren Schritt wurden beide Qualitäten zueinander in Verbindung gesetzt, um eine Integration zu erzielen. Am Ende der künstlerischen Auseinandersetzung sollte die Überwindung des Gegensatzes bzw. die Fremdheit beider Formensprachen stehen. Das klingt kompliziert. Aber das ausgestellte Ergebnis überzeugt.

Schülerinnen und Schülern der zwölften Klasse war die Aufgabe gestellt, Porträtdarstellungen von Menschen unterschiedlicher Herkunft zu schaffen. Meisterwerke sind da entstanden. Am meisten haben mich zwei Köpfe eines Paares beeindruckt, offensichtlich fremder Herkunft, mit verhärteten Zügen, fremd in dieser Welt.
Exponat der Ausstellung "Fremd?" im Kunsthaus Dahlem, Foto: Horst Schwartz, 2018
Offensichtlich hat niemand von den so begabten Schülerinnen und Schülern vor, sich zum Künstler ausbilden zu lassen. Aber „im Stillen sind sie sehr stolz“, versichert Gisela Dumas. Noch bis zum 13. April wird die Ausstellung gezeigt. Fremd? ist neben der Galerieausstellung über den jüdischen Maler Arnim Stern und die Ausstellung „Neue/Alte Heimat - R/emigration von Künstlerinnen und Künstlern nach 1945“ in der großen Halle der dritte eigenständige Grund, das Kunsthaus Dahlem zu besuchen.

Das Kunsthaus Dahlem hat viele Freunde. Einer von ihnen ist der Berliner Journalist Horst Schwartz. 
Hier schreibt er in lockerer Folge seine Gedanken, Ideen oder Anregungen nieder.

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