Mittwoch, 18. April 2018

Mit Kliemanns Augen

Was für Augen! Auf Seite 12  des wunderbaren – und bezahlbaren! – Katalogs zur Ausstellung „Carl-Heinz Kliemann – Frühe Werke“ im Kunsthaus Dahlem ist ein Foto des Malers aus eben jenen frühen Jahren zu sehen. Durchdringend blickt er in die Kamera. 
Mit diesem Blick, das wird dem Betrachter klar, hat der Künstler an der Welt Maß genommen. Das Ergebnis, seine Gemälde, lassen Besucher der Ausstellung nicht mehr los. So wie dieser Blick zu Carl-Heinz Kliemann eine innige, doch nicht allzu private Verbindung herstellt.
Was packt mich so an diesen Bildern? Die Farbigkeit, ohne Zweifel. Aber farbstarke Gemälde sind gleich nebenan im Brücke-Museum in größerer Zahl zu betrachten. Kliemann war Meisterschüler von Schmidt-Rottluff. Aber das ist es nicht. Seinen Meister hat Kliemann hinter, nein: neben sich gelassen. Es sind die Formen, die ihn von seinen Zeitgenossen abheben und auszeichnen. „Landschaft mit gelbem Haus“, „Gelbe Landschaft“ oder „Vorfrühling“ – herrlich. Und – wenn ich das so ausdrücken darf – zu diesen unnachahmlichen Formen hat Carl-Heinz Kliemann Farben gefunden, wunderbar passende Farben.
Und da gibt es noch sein grafisches Wer – vor allem Holzschnitte, die Kliemann von erstarter Tradition befreit hat. Da schwirren und flirren und tanzen die Formen. Die Farben haben Mühe, mit den Formen Schritt zu halten. Ein spannungsreiches Spiel…

Noch ein Wort zur Galerie, auf der die Ausstellung gezeigt wird. Sie ist ein Glücksfall für dieses Museum. Im großen Saal wären schon lichttechnisch solche Werke kaum auszustellen. So aber bleiben sie von direkter Sonneneinstrahlung verschont und können bei natürlichem Frühlingslicht ihre ganze Farben- und Formenpracht entfalten. Kliemanns forschendem Blick würde die Ausstellung gefallen.
Ausstellungsansicht Kunsthaus Dahlem, Foto: Horst Schwartz, 2018

Das Kunsthaus Dahlem hat viele Freunde. Einer von ihnen ist der Berliner Journalist Horst Schwartz. 
Hier schreibt er in lockerer Folge seine Gedanken, Ideen oder Anregungen nieder.

Dienstag, 27. Februar 2018

Fremd? Fremd!

Das Thema lag und liegt in der Luft. Fremd? heißt es. Durchaus mit Fragezeichen. Im regulären Kunstunterricht haben sich drei Klassen der Rudolf Steiner Schule Dahlem mit diesem hochemotionalen Thema auseinandergesetzt. Wohl jede Schülerin und jeder Schüler hat dieses Gefühl schon einmal erlebt, fremd zu sein, sich fremd zu fühlen, Fremden zu begegnen. Ihre Plastiken, Ergebnisse dieser künstlerischen Auseinandersetzung, sind in einem Raum des Kunsthauses Dahlem ausgestellt.

Ausstellungsansicht im Kunsthaus Dahlem, Foto: Horst Schwartz, 2018
Es ist die dritte Schülerausstellung des noch jungen Museums, jede in Kooperation mit der benachbarten  Rudolf Steiner Schule und der Kunstlehrerin Gisela Dumas. „In den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler aus der zehnten Klasse erfolgte eine sowohl figürliche als auch abstrakte Auseinandersetzung mit der Thematik,“ erklärt sie. Die elfte Klasse erarbeitete ein abstraktes Relief. Dabei seien zunächst „biomorphe und kristalline Formen entwickelt“ worden, sagt Gisela Dumas. In einem Faltblatt zur Ausstellung heißt es dazu: Dabei handelt es sich um die einander fremdesten Formensprachen der Bildhauerei. In einem weiteren Schritt wurden beide Qualitäten zueinander in Verbindung gesetzt, um eine Integration zu erzielen. Am Ende der künstlerischen Auseinandersetzung sollte die Überwindung des Gegensatzes bzw. die Fremdheit beider Formensprachen stehen. Das klingt kompliziert. Aber das ausgestellte Ergebnis überzeugt.

Schülerinnen und Schülern der zwölften Klasse war die Aufgabe gestellt, Porträtdarstellungen von Menschen unterschiedlicher Herkunft zu schaffen. Meisterwerke sind da entstanden. Am meisten haben mich zwei Köpfe eines Paares beeindruckt, offensichtlich fremder Herkunft, mit verhärteten Zügen, fremd in dieser Welt.
Exponat der Ausstellung "Fremd?" im Kunsthaus Dahlem, Foto: Horst Schwartz, 2018
Offensichtlich hat niemand von den so begabten Schülerinnen und Schülern vor, sich zum Künstler ausbilden zu lassen. Aber „im Stillen sind sie sehr stolz“, versichert Gisela Dumas. Noch bis zum 13. April wird die Ausstellung gezeigt. Fremd? ist neben der Galerieausstellung über den jüdischen Maler Arnim Stern und die Ausstellung „Neue/Alte Heimat - R/emigration von Künstlerinnen und Künstlern nach 1945“ in der großen Halle der dritte eigenständige Grund, das Kunsthaus Dahlem zu besuchen.

Das Kunsthaus Dahlem hat viele Freunde. Einer von ihnen ist der Berliner Journalist Horst Schwartz. 
Hier schreibt er in lockerer Folge seine Gedanken, Ideen oder Anregungen nieder.

Dienstag, 30. Januar 2018

Stern-Stunde

Gut, sagte ich mir, Du schaust Dir die kleine Ausstellung von Armin Stern an, und das ist es dann. Aber als ich im Kunsthaus Dahlem die Treppe zur Galerie hochging und sich die ersten Gemälde ins Blickfeld schoben, war ich wie elektrisiert. Das war im wörtlichen Sinne eine Stern-Stunde. Unglaublich, dass dieser Künstler 70 Jahre lang in Vergessenheit geraten war und erst jetzt wiederentdeckt wurde.




Armin Stern, Selbstbildnis, 1916, ÖL auf Leinwand, 51 x 40 cm
Nachlass Armin Stern, Berlin, Foto: Gerhard Haug, Berlin
Bildrechte: © 2018, Anita Lochner, Berlin

Armin Stern wurde 1883 als Kind jüdischer Eltern im damaligen Preßburg, dem heutigen Bratislava, geboren. Er studierte Malerei in Frankfurt, München – dort bei Franz von Stuck! – und Paris. Er machte sich international einen Namen als Porträt- und Landschaftsmaler. 30 seiner Werke sind in der Ausstellung mit dem Titel „Armin Stern – Zionist, Grenzgänger, Kosmopolit“ zu sehen, Ölgemälde, Radierungen, Aquarelle, Monotypien, Zeichnungen. Beeindruckt hat mich die Bandbreite der Techniken und der Motive: Thomas Mann in einer Bleistiftzeichnung, die Jerusalemer Klagemauer, der Luna Park auf Coney Island, die Judengasse in Preßburg. Ganz gefangen genommen hat mich das Bildnis eines Talmud-Schülers. Grenzgänger war Armin Stern nicht nur in der Wahl seiner Wohnorte, sondern auch in der Stilwahl zwischen (französischem) Impressionismus und (deutschem) Expressionismus. Allein dieser Aspekt der Ausstellung lohnt den Weg nach Dahlem.




Armin Stern, Klagemauer, 1934, Öl auf Leinwand, 51 x 71 cm
 Nachlass Armin Stern, Berlin, Foto: Gerhard Haug, Berlin
Bildrechte: © 2018, Anita Lochner, Berlin

Zu den Exponaten gehört auch der Brief, der Armin Stern erschüttert haben muss: Da wird ihm 1933 vom Frankfurter Kunstverein die Teilnahme an einer Ausstellung zur deutschen Gegenwartskunst verweigert. Dies nicht, weil die Werke nicht den Ansprüchen der Auswahlkommission genügten, sondern - weil er Jude war. Stern ging mit seiner Familie nach Bratislava, um den Nazis zu entkommen, und 1938 nach New York. Er starb im Exil 1944.

Dass seine Werke – genauer: das, was von seinem Œvre nicht verloren gegangen ist – der Vergessenheit entrissen und zum ersten Mal in Berlin gezeigt werden, ist auch der Unterstützung der Axel Springer Stiftung und der Kooperation mit dem Slowakischen Institut Berlin zu verdanken. Das Echo ist positiv: Kamen zur Eröffnung vor einer Woche 200 Besucher, waren es am ersten Öffnungssonntag über 100. Gedanken drängen sich auf: Während in der großen Halle des Kunsthauses Dahlem in der Ausstellung „Neue/Alte Heimat“ Werke von nach Deutschland zurückgekehrten Exil-Künstlerinnen und –Künstlern gezeigt werden, präsentiert die Galerie-Ausstellung das Werk eines Künstlers, der die Befreiung vom Naziregime, das ihn vertrieben hatte, und die Rückkehr in seine Heimat nicht erleben durfte.

Ausstellungsansicht, Foto: Horst Schwartz, 2018


Mehr zur Ausstellung unter www.kunsthaus-dahlem.de


Das Kunsthaus Dahlem hat viele Freunde. Einer von ihnen ist der Berliner Journalist Horst Schwartz. Hier schreibt er in lockerer Folge seine Gedanken, Ideen oder Anregungen nieder.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Ein Standort - zwei Museen

Wen hatte er nicht gestört, der Zaun, der bislang zwei bedeutende Dahlemer Museum trennte. Er zerschnitt bisher die Grundstücke, auf denen das Brücke-Museum und das Kunsthaus Dahlem liegen. Das Brücke-Museum mit der weltweit umfangreichsten Sammlung der expressionistischen Künstlervereinigung „Brücke“ besteht genau 50 Jahre,  das benachbarte Kunsthaus-Dahlem mit seiner Sammlung der deutschen Nachkriegsmoderne in Ost und West, wurde 2015 eröffnet. Um von einem Museum zum anderen zu gelangen, mussten Besucher bislang einen ziemlichen Umweg laufen. Jetzt haben  die beiden Museumsdirektorinnen Lisa Marei Schmidt (Brücke-Museum) und Dr. Dorothea Schöne (Kunsthaus Dahlem) den trennenden Zauns niederreißen lassen. Damit wollen sie, wie mir versichert wurde, ein Zeichen zur engeren Zusammenarbeit setzen. „Jetzt nutzen schon die meisten der 30.000 bis 40.000 Besucher im Jahr, die beide Museen besuchen, unser Kombi-Ticket“, sagt Museumschefin Schöne, „wir haben viele gemeinsame Ideen, aber die sind noch in der Planungsphase.“ Fest steht aber schon ein gemeinsames Sommerfest. Beide Museums-Leiterinnen rechnen damit, dass die benachbarten Ausstellungshäuser, die jetzt an einem gemeinsamen grünen Grundstück liegen, künftig als ein Museumsstandort wahrgenommen werden.
Foto: Kunsthaus Dahlem, November 2017

Das Kunsthaus Dahlem hat viele Freundinnen und Freunde. Einer von ihnen ist der Berliner Journalist Horst Schwartz. Hier schreibt er seine Gedanken und Beobachtungen nieder.

www.kunsthaus-dahlem.de

Mittwoch, 5. Juli 2017

New Exhibition Ethical Rectification by Addressing a Historiographical Gap

Photo: Ausstellung Neue/Alte Heimat, Kunsthaus Dahlem / Jacqueline Sands, 2017















Underrepresentation, or even lack of representation, in historical and art historical documentation of a given time period has long been a means by which societies and academic communities have undermined the importance and validity of marginalized or disadvantaged groups of people. Insufficient representation of women, as well as many ethnic and racial minorities, in art historical documentation in a multitude of historic eras throughout the world serve as poignant large-scale examples of the subversive power of selective historiography: lack of representation not only stagnates individual careers, but also removes an important component from the historical and art historical narrative of a given time period; such historiographical discrepancies constitute ethical gaffes both with respect to the artists, as well as the group that they represent. 

One such lapse in art historiographical integrity is the absence of German artists who went into exile during the reign of the Nazi regime from the artistic canon in postwar Germany. Many artists who fled the country during this period could not reclaim recognition for their work in Germany; they were completely excluded from artistic development of postwar Germany. Artists such as the sculptors Jussuf Abbo and Paul Hamann suffered rifts in their careers due to the financially harmful effects of emigration that made them unable to sustain their artistic activities on the same level as before. For many of these artists, their inactivity following emigration caused their work prior to their exile to be completely forgotten both in Germany, as well as in their new homelands. The result is a gap in the art historical documentation and representation of German art in the era of the Nazi regime and the postwar era.

The new exhibition New/Old Homeland: R/Emigration of Artists After 1945 seeks to repair this ethical discrepancy by acknowledging and beginning to rectify the art historiographical void left by the forgotten German artists of the aforementioned time period. The exhibition pays homage to this group of forgotten artists by bringing them to the forefront of the museum’s focus. Although spacial limitations confined of the scope of the exhibition to a handful of important sculptors, the exhibition acts as an important beginning to the process of filling a fundamental gap in the art historical narrative of the postwar era in Germany. It not only constitutes a valuable contribution to the art historical record, but also serves as a sort of ethical remedy with regard to the group of exiles artists collectively.

Moreover, the exhibition serves as an artistic reparation to the forgotten artists as individuals. By granting them the artistic recognition that they had initially earned for their work, albeit posthumously, the exhibition seeks to remedy the personal injustice that their exclusion from the artistic development of postwar Germany constituted. The presence of some of the families of the artists included in the exhibition on June 29, such as the Abbo, Hamann, and Theunert families, illustrates the amendatory nature of the exhibition: it gave their descendants the deserved fulfillment of the artists’ due representation in their homelands. 


In essence, the exhibition promotes ethical justice and integrity within art historical documentation of the postwar era by contributing to the art historical record of this period.   

Jacqueline Sands, intern in Kunsthaus Dahlem, 2017

Donnerstag, 30. März 2017

Und schon geht mein Praktikum zu Ende...

Heute war mein letzter Tag als Praktikantin im Kunsthaus Dahlem. Die sechs Monate sind schon vorbei und damit auch eine Zeit voller Projekte, Ausstellungen und kultureller Veranstaltungen im ehemaligen Atelier am Käuzchensteig.

Dieses Praktikum ist ohne Frage eine wichtige Etappe meines Lebenswegs gewesen: Ich habe dadurch einen Einblick in ein für mich vollkommen neues Arbeitsfeld gewonnen sowie viel über das Funktionieren kultureller Einrichtungen und die deutsche Nachkriegsmoderne gelernt. Die verschiedenen Projekte, bei denen ich mitgewirkt habe, haben mir einen Raum für meine Kreativität geboten und mich mit vielen neuen Kompetenzen ausgestattet.

Ich habe mich sehr gefreut, im Dienst einer vielversprechenden Institution zu arbeiten, die sich einer noch zu wenig bearbeiteten, aber dennoch spannenden Zeit der deutschen Kunstgeschichte widmet und sich schon durch eine Vielfalt von Vorhaben und Kooperationen auszeichnet. Zu guter Letzt möchte ich mich auch bei meinen hervorragenden Kolleginnen, Frau Schöne, Frau Koch und Frau Barth, sowie bei allen externen oder internen MitarbeiterInnen des Kunsthauses bedanken. Sie alle haben dazu beigetragen, aus diesem Praktikum eine der besten beruflichen Erfahrungen meines Lebens zu machen.

Dem Kunsthaus Dahlem wünsche ich noch alles Gute. Und wer weiß, vielleicht komme ich bald wieder zu Besuch!

Alice

Mittwoch, 29. März 2017

Fritz Kühn und die neue Ausstellung "Bildnerisches Werden"

Am Donnerstag, den 30.03.2017 eröffnet das Kunsthaus Dahlem seine neue Ausstellung „Bildnerisches Werden. Skulptur und Fotografie Fritz Kühns 1945-1967“, in Zusammenarbeit mit der Fritz-Kühn-Gesellschaft e.V. In diesem Artikel lernen Sie den Bildhauer, Fotografen und Schriftsteller der deutschen Nachkriegsmoderne kennen!

Plastik "Bewegt-rotierend", 1964, Edelstahl, Mischtechniken, © Achim Kühn
Fritz Kühn ist einer der Künstler, der zu Lebzeiten sowohl in der BRD als auch in der DDR geschätzt wurde. Vom Landeskonservator Prof. Dr. Jörg Haspel wird er als „einer der bedeutendsten Berliner Metallbildhauer des 20. Jahrhunderts überhaupt“ und als „eine der faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte“ bezeichnet. Im April 1910 als Sohn eines Kunstschlossers und Schmiedes geboren beginnt er mit 14 Jahren eine Lehre als Werkzeugsmacher, die er mit Auszeichnung abschließt. 1937 legt er die Meisterprüfung als Kunstschmied ab und eröffnet eine Atelier-Werkstatt in Berlin-Bohnsdorf, die 1943 zerbombt wird.

Dabei gehen zahlreiche Fotografien, Zeichnungen und Entwürfe verloren. In den ersten Nachkriegsjahren baut er sein nunmehr in Ostberlin liegendes Atelier wieder auf und trägt deutlich zum Wiederaufbau der Stadt bei, indem er Arbeiten für zahlreiche öffentliche Einrichtungen ausführt und dabei mit vielen Architekten zusammenarbeitet. Sein Engagement wird 1954 durch den Nationalpreis 3. Klasse gewürdigt.

Der internationale Durchbruch erfolgt u.a. durch den im selben Jahr von der DEFA gedrehten Film Lebendiges Eisen, der sich mit seinem Werk befasst. Vier Jahre später nimmt er auch an der Brüsseler Weltausstellung teil, in der seine Arbeit am westdeutschen Pavillon zu sehen ist.

Im Jahr 1964 wird er zum Professor an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee ernannt. Zu dieser Zeit plant er einen Neubau neben seiner Atelier-Werkstatt, wo Kurse für Metallgestaltung in Zusammenarbeit mit der Hochschule angeboten werden sollten. Sein vorzeitiger Tod 1967 setzt jedoch diesem Vorhaben ein Ende. Im Jahr 1983 wird sein Werk von der DDR zum nationalen Kulturerbe erklärt.

Plastische Form "Von Spitz zu Flach", 1959, Stahl geschmiedet, © Achim Kühn
Wie Hans Uhlmann oder Bernhard Heiliger ist Fritz Kühn ein wesentlicher Vertreter der deutschen Metallplastik, die in der Nachkriegszeit immer wichtiger wird. Dabei lässt er sich sehr viel von natürlichen Formen oder Symbolen inspirieren - „Die Natur ist mein Lehrmeister“, erklärte er. In mehr als fünfzig Städten der alten Bundesrepublik Deutschland sind heute seine Werke zu sehen, sei es in Museen, in Kirchen oder im öffentlichen Raum. Exemplarisch in Berlin sind das sog. „Lindenportal“ für die polnische Botschaft Unter den Linden, welches aus 224 stilisierten Lindenblättern besteht, sowie die Treppengeländer für das damalige Zeughaus oder für die Staatsoper. Andere Beispiele sind der Brunnen auf dem Strausberger Platz oder das A-Portal der Berliner Stadtbibliothek.

Auch als Schriftsteller und Fotograf zeichnete sich Fritz Kühn aus: Insgesamt schrieb er zwölf Kunstbücher, von denen drei mit Preisen gewürdigt wurden. Mit der Fotografie fing er schon zu Beginn der 1920iger Jahre an. So erscheint im Jahr 1938 das Lehrbuch Geschmiedetes Eisen, welches Fotografien von geschmiedeten Belegexemplaren seiner Ideen sammelt. Seine erste richtige fotografische Arbeit kommt 1947 mit dem Titel 10 Jahre Kunstschmiede Fritz Kühn heraus, in der er sich mit dem Material Eisen auseinandersetzt. Viele seiner Fotografien werden entweder in Fachzeitschriften veröffentlicht oder ausgestellt: Beispiele dafür sind die Ausstellungen Ungegenständliche Fotografie (Basel, 1960) oder Internationale Fotografie (Brasilien, 1960). An der Weltausstellung in Brüssel 1958 schafft er auch eine Serie von Detailstudien über die unterschiedlichen Pavillons. Bis heute bleibt die Bewahrung Kühns künstlerischen Erbes eine besondere Herausforderung für die 2003 von seiner Enkelin geschaffene Fritz-Kühn-Gesellschaft.

Das Kunsthaus Dahlem lädt Sie herzlich zur Vernissage der Ausstellung am Donnerstag, den 30. März um 19Uhr ein.
Laufzeit der Ausstellung: 31. März – 18. Juni 2017

Mehr Informationen finden Sie auf unserer Website http://kunsthaus-dahlem.de/ 
Falls Sie sich für Fritz Kühn und sein Werk interessieren, empfehlen wir die Website der Fritz-Kühn-Gesellschaft sowie die Sendung der ARD „Sehen und Gestalten“ vom 17. August 2016: 
http://fritz-kuehn-gesellschaft.de/  
http://www.ardmediathek.de/radio/Kulturtermin/Sehen-und-Gestalten-Fritz-K%C3%BChn/kulturradio/Audio?bcastId=9839182&documentId=37196170